Theoretische Sensibilität & Offenheit der Forschenden
Theoretische Sensibilität bezeichnet die Fähigkeit von Forschenden, empirische Phänomene so wahrzunehmen, zu verstehen und zu beschreiben, dass zentrale Muster, Zusammenhänge, Regeln/Konventionen und auch Strukturen erkennbar werden. Es handelt sich dabei also um eine Kompetenz, die sich im Verlauf des Forschungsprozesses und durch zunehmende Erfahrung mit dem Forschungsthema entwickelt. Sie entsteht unter anderem durch die Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur, durch berufliche Praxis, persönliche Erfahrungen und andere Perspektiven (z. B. popkulturelle Inhalte) auf das Forschungsfeld. Die/der Forschende sollte genügend Offenheit für das Forschungsfeld haben, um nicht nur aus einer festgefahrenen Perspektive (die z. B. durch einseitiges theoretisches Vorwissen entsteht) zu beobachten. Gleichzeitig muss sie/er genügend Vorwissen haben, um die Geschehnisse grundlegend nachvollziehen und beschreiben zu können. (Vgl. Alheit, 1999)
Zentral ist dabei, aufmerksam für die Vielschichtigkeit und Feinheiten des empirischen Materials zu sein. Forschende sollen also in der Lage sein, mit steigender Interaktion mit dem Forschungsfeld auch subtile Hinweise, Bedeutungen oder Zwischentöne in den Daten wahrzunehmen und diese zu einem stimmigen analytischen Verständnis zusammenzuführen. Ziel ist daher, ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Aspekte in den erhobenen Daten besonders relevant sind und folglich, worauf der analytische Blick gerichtet werden sollte.
Ressource:
Alheit, P. (1999). Grounded Theory. Ein alternativer methodologischer Rahmen für qualitative Forschungsprozesse. Göttingen: Universität Göttingen.